Am Bahnhof

Es war einmal: Ich war im HB bei den Schließfächern und hatte gerade meine Sachen rausgeholt, wollte mich gemütlich auf den Weg zu den Gleisen machen, als neben mir ein jüngeres, endpubertierendes Mädchen einen halben Zusammenbruch bekommt. Schnell atmend und aufgeregt fragt sie mich, ob ich kurz auf "ihr Schließfach" schauen könnte, sie käme gleich wieder... Was genau ihr Problem war, konnte ich in ihren "Gehaspel" nicht entschlüsseln. Nett, wie ich ja nunmal bin, wartete ich also mit meinen Habseligkeiten vor "ihrem" Fach, als mir auffiel, dass dieses verschlossen war. Was genau machte ich also hier??? Wer außer ihr, sollte denn da heran kommen (ausgenommen die Panzerknacker natürlich)??? Aber meine gute Erziehung hielt mich davon ab, meinen derzeitigen Standort zu verlassen.

 

So stand ich pfeiffend und Leute beobachtend da, als das besagte endpubertierende Mädchen wiederkam. Ich dachte: Oh, wie schön, Schluß mit dieser "speziellen" Begegung der besonderen Art.... Doch: getäuscht. Sie wollte unvermittelt von mir wissen, wie sie denn an die zuständigen Personen für die Schließfächer kommt. (Wo war das "Danke" für meine (nutzlose?!?) Hilfe??? Und viel wichtiger: Woher sollte ich das wissen?????

 

Naja, ich sagte ihr, dass ich auch nicht sicher sei, aber vielleicht hätte sie eine gute Chance unter der Servicenummer, die auf einem Schild gegenüber von uns, überdimensional angebracht war (vielleicht war die Größe der Grund, warum sie dies noch nicht gesehen hatte....) Sie hielt kurz inne und rief dann die zuständige Nummer. Nachdem niemand ranging, empfahl ich ihr, sich doch (wie weiter auf dem Schild angegeben) bei dem Personal am Servicepoint um die Ecke zu melden..... So schnell wie sie gekommen war, war sie auch wieder verschwunden - und ich stand (immer noch pfeiffend und pflichtbewußt) weiter vor ihrem Fach.

 

Während ich wartete, sprach mich eine andere Frau an, ob ich ihr einen Schein in Kleingeld wechseln könnte.... Klar mach ich auch gerne auf "Wechselstube".... aber immerhin hatte ich etwas zu tun. Nun, irgendwann kam dann endlich meine "Freundin" wieder, ruhiger und mit einem Schlüssel in der Hand, als ich sie konkret fragte, was eigentlich los sei. (Verständlich, nachdem ich nun doch meine Hilfsbereitschaft deutlich bewiesen hatte ;-)) Die Erklärung war ganz einfach:

Sie wollte über das Weekend auf ein Konzert und hatte morgens vor der Schule, Zelt und andere, benötigte Materialien im Schließfach gelassen, jedoch vergessen abzuschließen und war so zur Schule gefahren. Als sie nun wieder kam, hoffte sie, das Schließfach unverändert vorzufinden, doch jemand hatte es abgeschlossen und der Schlüssel war weg. Dieser "Jemand" mußte charakterlich mein Verschnitt sein, denn wie sich herausstellte, hatte sie/er das unverschlossene Fach mit den Sachen drin gefunden, daraufhin alles verschlossen und den Schlüssel beim Service abgegeben... Nun ja, ich hatte meine gute Tat getan, wußte, daß ich nicht der einzig nette Mensch auf Erden bin, und das endpubertierende Mädchen konnte auf sein Konzert ohne größeren Schaden erlitten zu haben

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