Knast oder Altersheim

Prinzessin Pummelfee hat eine Mutter und auch einen Vater. Nichts besonderes soweit. Doch gestern hat sich aus Gründen ergeben, dass die Mama von Prinzessin Pummelfee (so ist ihr offizieller Name) von mir wissen wollte, wo sie denn - sollte es einmal soweit sein - im Alter besser aufgehoben wäre: Im Knast oder im Altersheim.

Und als gute Tochter, war ich gerne bereit, ihr bei dieser nicht ganz einfachen Frage Auskunft zu geben. Ich antwortete ihr per Mail auf ihre Frage und teile nun heute gern meine Ausführungen dazu mit euch ;-) Deswegen hier mein Mail an meine Mutter:


Ihr wollt den Unterschied zwischen Knast und Altersheim wissen? Unglaublich, aber zufällig kann ich da weiterhelfen!

Sollte in den nächsten 20 Jahren bei euch die Entscheidung für eines von beiden anstehen, so kann ich ganz klar KNAST empfehlen. Wie ihr da rein kommt ist ja auch kein Problem: Da Grossmutter die Einzige in der ganzen Familie war, die nicht mal das Finanzamt beschissen hat, liegt klar auf der Hand, was für euch zu tun ist: Zum Finanzamt gehen, eure Vergehen in finanzieller Hinsicht gestehen (ausser von den Auslandskonten, bei denen ich evtl. mal erblich profitieren kann – die dürft ihr weiter geheim halten) und schon landet ihr ihm Knast! Zack – erledigt!

 

Jetzt denkt ihr vielleicht: Scheisse man, Knast, da hört man immer soviel Schlechtes.... Hallo? Habt ihr mal hingehört, wenn die Leute sich vom Leben im Altersheim erzählen?? DAS ist Knast, kann ich euch sagen....

 

Zur Verdeutlichung einige gängige „Vorurteile“

1.     Im Knast ist man eingesperrt:

Ja, das hat gewissermassen einen kleinen Wahrheitsanteil, ABER: im Knast hast du auch mal Hofgang und da darfst du innerhalb des Hofes, ganz nach Belieben herumspazieren. Solange du nicht nackig durch die Gegend rennst (weiss ich aus eigener Erfahrung) Drogen verkaufst (weiss ich von meinen Knastfreunden) oder sexuelle Handlungen in der Öffentlicheit ausführst (weiss ich aus der Zeitung) lassen dich die Wärter in Ruhe (ausser denen, die dich mit sexuellen Handlungen zu einem besseren Knastleben erpressen)

D.h. du kannst beim Hofgang tun und lassen was du willst. Sogar rauchen! Und lachen! Spässe machen! Mit Freunden reden!

 

Versuch das mal im Altersheim: „Hofgang“ kennen die nicht. Du hast deine Zelle äh Zimmer nennen die das, aber da kommst du nicht so einfach raus. Wenn du raus spazierst, steht sofort eine „Schwester Brunhilde, oder Gabi oder Annemarie“ vor der Tür und fragt in der dritten Person (als ob sie auch mit gehen wollte: „Na, Herr Soundso, wo wollen wir denn jetzt schon wieder hin.?

Wenn man dann schlau ist, sagt man: ups, ich hab mich wohl verlaufen, ich will wieder in mein schönes Zimmer, ganz allein sein und mich ruhig verhalten.

Wenn man dumm ist, sagt man: ich will raus!

Wenn man mit einer gewissen frechen Art antwortet, sagt man: wo Sie hinwollen weiss ich nicht,  Sie alte Schrappnelle, aber ich wollte schauen, ob eine von euch tollen Schwestern hier wieder rumspioniert und meinen Versuch der Flucht oder aber ins Nachbarzimmer zu der hübschen Frau Sowieso zunichte macht – und ja, das haben Sie soeben geschafft... Mist!

Doch egal wie man antwortet: das Resultat ist immer gleich: Es gibt keinen Hofgang. Du wirst wieder in deine Zimmer geschickt und hast ruhig zu sein.

 

Ich hatte ja geschrieben, dass man im Knast während des Hofganges rauchen, lachen, Spässe machen und reden darf... pft, mach das mal im Altersheim:

Herr Müller, Sie können doch hier nicht rauchen! Das ist für Ihre Gesundheit überhaupt nicht gut! Und die Luftverschmutzung und die gelblichen Zimmerwände! Tststs, Herr Müller, machen Sie sofort den Glimmstengel aus.  (Herr Müller ist 98 Jahre alt, hat einen Mix aus verschiedenen Krankheiten und wird in 2 Monaten voraussichtlich das Zeitliche gesegnet haben, was soll also das mit der „Gesundheit“??) Daraufhin geht die garstige Schwester ins Schwesternzimmer, erstmal eins Rauchen.... immer dieser Stress mit den aufmüpfigen Alten!

Wenn die Alten im Heim lachen oder Spässe machen, geht das sofort weiter: die garstige Schwester Esther kommt vorbei: Herr Lustig, Sie können doch hier nicht so lachen und Spässe machen! Denken Sie doch nur an Ihr Herz und das der anderen. Ihr Blutdruck ist eh schon so hoch.... da müssen wir den doch nicht noch zusätzlich puschen, Herr Lustig, nun ist aber Schluss mit Lustig, entweder Sie sind sofort ruhig oder sie gehen ohne Abendbrot ins Bett!

Beim Reden mit Freunden sieht es ähnlich aus: Herr Runz, Ihr Freund Herr Sauri versteht Sie doch sowieso nicht, der ist taub und wir haben ihm das Hörgerät geklaut, weil er nachts immer ins Bett macht. Strafe muss sein. Und ausserdem, Herr Runz, niemand versteht Sie, sie haben Ihr Gebiss nicht drin, denn das haben wir auch geklaut, weil Sie gestern beim Abendbrot darüber gemeckert haben, dass die Hefekleie Ihren Mund verbrannt hat. So, das haben Sie jetzt davon – und nun, ab in Ihr Zimmer....

 

Ihr seht, Altersheim ist kein Spass. Das liegt daran, dass dort nur Frauen arbeiten, die ihre Erlebnisse als Kinder mit ihren Eltern nun an andere zurück geben, auch wenn die anderen gar nicht ihre Eltern sind... Scheisse man!

 

Im Knast dagegen darfst du beim Hofgang, rauchen, lachen, Freunde treffen.

1:0 für den Knast.

 

2.    Vorurteil: Im Knast ist das Essen scheisse:

Alter, habt ihr schon mal Essen vom Altersheim gehabt!! DAS ist Scheisse, aber echt!

Im Knast gehen sie davon aus: da sitzen harte Kerle, die brauchen hartes Essen! Im Altersheim meinen sie, da sitzen weiche Kerle, die brauchen weiches Essen – und das kriegen die dann auch! Es wird gekocht, aber nicht nur das: es wird VERkocht – und zwar so weich, wie die Haut der Altersheimbewohner – und das ist sehr weich. Und weil die netten Schwestern Gudrun, Hildegard und Violetta (es hat inzwischen auch viele Russen die dort arbeiten) es nicht wichtig finden, wie das Essen aussieht, da sie meinen, dass die Alten das eh nicht mehr erkennen können, wird einfach alles in einen Topf geschmissen (und ich rede hier nicht vom Eintopf – nur damit es keine Verwechslungen gibt)

Kartoffeln, Gemüse und Fleisch landen in einem Topf, Sosse drüber, fertig. Und weil die Alten es eh nicht merken und die nettendf Schwestern ja sowieso zu wenig Zeit haben, werden der Salat und der Nachtisch auch noch grad mit reingeworfen in den einen Topf, der kein Eintopf ist. Zack, Essen schmeckt (da die Alten das je eh nicht mehr schmecken) Zeit gespart und Schwester Oxana kann noch schnell eine rauchen gehen.

 

Im Knast geben die sich da schon mehr Mühe, denn: die Bewohner des Knast werden noch erst genommen. Und sollten die mal auf die Idee kommen, sich zu beschweren, hat der Knast gleich Amnesty International an der Backe – und das will ja niemand, denn die können ganz schön lästig sein. Zumindest lästiger als anständiges Essen kochen. Also werden dort die einzelnen Lebensmittel getrennt, bissfest gekocht und Salat gibt es vorher, Nachtisch hinterher. Keiner kann sich beschweren.

Im Altersheim muss niemand Angst vor Amnesty Internation haben, denn wenn sich dort ein Insasse beschwert, wird einfach die Akte gefälscht und schon steht da, Herr Knutzen hat Demenz und ist sowieso auch ganz tüdelig im Kopf. Erledigt.

 

2:0 für den Knast

 

Falls ihr immer noch nicht überzeugt seid, dass Knast die bessere Alternative ist, hier

 

3.    Im Knast sind die Besuchszeiten scheisse:

Ja, auch hier muss ich gestehen, gibt es einen kleinen Wahrheitsanteil, ABER, ihr müsst die Vorteile sehen, die damit im Knast herrschen.

Ich mein sind wir mal ehrlich: Wer hat schon gross Bock auf Besuch? Die wollen reden, alles wissen, bedient werden und am Ende wohlmöglich noch nen Kaffee oder so. Im Knast kein Thema: Da werden die erstmal untersucht, ob die eigentlich rein dürfen (können also keine bescheuerten Geschenke mitbringen, die werden gleich konfisziert) und dann ist klar geregelt: IN 1 STUNDE SEIT IHR WIEDER RAUS HIER.

Beusch im Knast ist absehbar, da gibt’s feste Zeiten und ihr müsst die nicht mal rausschmeissen, das machen die Aufseher für euch ;-) Und Kaffee müsst ihr auch nicht servieren, gibt’s nicht und fertig. Und wenn ihr mal keine Lust zu reden habt, lasst ihr euch von einem Knastfreund einfach eine reinhauen, damit die Lippe geschwollen ist, drei Zähne fehlen und schwupps: perfekte Ausrede, dass ihr leider nicht an der spannenden Unterhaltung teilnehmen könnt und zusätzlich noch Mitleid plus ne 1000er Euronote als Schutzgeld erhaltet.

Ein weiterer Vorteil: ihr müsst eure Zimmer nicht extra aufräumen und Putzen, da dürfen die nämlich gar nicht rein, sondern nur in den Besucherraum.

 

Von einem Besucherraum könnt ihr im Altersheim hingegen nur träumen, pahhh. Da habt ihr den Besuch gefälligst mit in eure Zelle zu nehmen, damit niemand gestört wird, und natürlich müsst ihr dann vorher putzen und aufräumen, sonst kommt Schwester Margrit und schimpft, denn alles muss nach aussen hin gut und perfekt und sauber wirken... sonst hat man plötzlich mal die Aufsicht am Hals.... und das will ja niemand, oder???

 

Naja, und wenn der Besuch dann erstmal in eurer Zelle ist, mit Kaffee und Kuchen versorgt wurde, dann werdet ihr den auch nicht mehr so schnell los.

Die Schwestern sind froh, wenn sie euch beschäftigt wissen und gehen erstmal heimlich eine im Klo rauchen. Da kommt sicher niemand nach einer Stunde und schmeisst die raus. Also müsst ihr euch die langweiligen Geschichten von „Leben draussen“ anhören, Kindergequake von den Enkeln ertragen und im dümmsten Fall noch unnütze Geschenke entgegen nehmen. Und sollte überraschenderweise mal was Sinnvolles als Geschenk kommen (z.B. eine Stahlpfeile um die Gitterstäbe, die ja nur zu eurem Schutz vor den Fenstern montiert wurden, aufzuschleifen) kommt am Abend mit 100%iger sicherheit Schwester Alice mit ihrem siebten Superriecher und konfisziert eure letzte Hoffnung während sie eure hoffentlich noch nicht letzte Waschung an euch vornimmt.

 

3:0 für den Knast

 

Ich könnte Stunden so weitermachen, aber das Ende ist immer gleich: Solltet ihr jemals vor der Wahl „Knast oder Altersheim“ stehen, nehmt den Knast! Eindeutig, und wenn ihr es da mal nicht mehr aushaltet, ist auch die Sache mit der aktiven Sterbehilfe dort ganz leicht: Einfach eurem Zimmernachbarn, die letzten Zigaretten für die Woche klauen und runterspülen oder selbst rauchen – Thema erledigt!

 

 

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