Trink mal wieder

Ihr denkt also, trinken ist einfach? Kein Problem? Machen wir doch täglich? (nein, ich rede nicht von Alkohol, sondern einfacher Flüssigkeit) ;-)

 

Ich sag euch mal was: Trinken kann grausam sein! Hinterhältig! Gemein(gefährlich)! Trinken kann euch in die Knie zwingen! Ziemlich sogar! Echt! (nein, ich rede immer noch nicht von Alkohol, sondern einfach von Flüssigkeit)

 

Trinken kann euch dazu bewegen komische Sachen zu machen: betteln, mit Gegenständen reden und verhandeln usw...

 

Trinken kann die grösste Herausforderung des Tages sein.

Bei mir war das so am Freitag....

 

Ihr wisst, ich als Prinzessin, bin es gewohnt, dass die Dinge nach meinem Kopf laufen, meine Wünsche erfüllt werden und ich immer an erster Stelle stehe.

In der Ehe klappt das ganz gut (einzigartigster Ehemann der Welt: Keine Kommentare von deiner Seite aus zu dieser Tatsache, sonst.....+%“T+“(+(=*I“)

 

In meinem gesellschaftlichen Leben wage ich diese Behauptung ebenfalls – und sollte es mal nicht nach mir gehen, weiss ich mich sehr wohl in Szene zu setzen (vergl. Blogbeitrag zur abgetrennten Fingerkuppe – war nur für Aufmerksamkeit und so... ;-))

 

Aber es gibt Situationen (selbst in meinem Leben) denen bin ich einfach wehrlos ausgesetzt, keine Chance auf Gegenwehr... und so eine war am Freitag:

 

Einige meiner treuen Begleiter wissen, dass ich letztes Jahr eine grössere Darm-OP hatte.  Und da nach so einer OP der Körper immer etwas Zeit braucht, bis er sich wieder ganz erholt hat (ich bin ja ansonsten eine ziemliche Schnelle – vor allem mit dem Mund - ;-)) ist auch bei mir noch nicht alles ganz so wie es wieder sein sollte.

 

Also war es nötig, dass ich mich am Freitag einer Darmspiegelung zu unterziehen hatte. Schon allein diese  Tatsache spricht ja gegen meine Haltung „Alle tun was ich will“ denn nun musste die liebe Pummelfee „tun, was die anderen wollen“.

Aber nun gut. Die Darmspiegelung an sich ist ja auch kein Problem: hinlegen, Schlafmittel, aufwachen, noch mal laut furzen, fertig.

 

Das Problem bei der Darmspiegelung beginnt einige Stunden vorher: Wenn man gezwungen wird, das Abführmittel zu trinken... brrrrrrrbrrrrrbrrrr ;(

 

Vielleicht habt ihr schon davon gehört, vielleicht habt ihr es schon selbst dramatisch durchleben müssen, vielleicht seid ihr noch jungfräulich auf diesem Gebiet... (falls ihr zu „vielleicht kennt ihr es und findet es fein“ gehört: verschwindet aus meinem Hoheitsgebiet ;) )wie auch immer: ihr könnt dem Thema nicht ewig aus dem Weg gehen. Denn selbst wenn ihr nicht drunter leiden musstet, tröstet alle anderen!

 

Für mich war Freitag der schlimmste Tag des Jahres... Genaugenommen schon der Donnerstag, denn mein einziger Gedanke war „Oh nein, morgen ist Freitag“ 

Wie soll man sich entspannen, wenn am nächsten Tag solche Grausamkeiten auf einen warten?

 

Mein Auftrag laut Arzt war:

Morgens um 6h das Pulver in einem Liter Wasser auflösen und innert einer Stunde trinken.

Morgens um 10h erneut Pulver in einem Liter Wasser auflösen und innert einer Stunde trinken.

Darm währenddessen fleissig entleeren und nachmittags zur Spiegelung kommen.

 

Hört sich leicht an – war es aber nicht!

Ich stand also pünktlich auf, schlenderte in die Küche (ja, es hört sich gerade cooler an, als es war... eigentlich ging ich geduckt, zitternd und mit feuchten Augen in die Horror-Küche) entnahm das Pulver aus der Packung und vermengte es mit einem Liter Wasser. Kurz warten – und los mit der Tortur.... Ich würgte das erste Glas Abführmittel runter und schüttelte mich am ganzen Köper.

 

Ihr findet jetzt vielleicht: Was ist los? Ist doch nur Wasser mit Orangengeschmack?

 

Für mich nicht! Wer mich kennt, weiss, dass ich schon so Sachen wie normale Brausetabletten, Vitaminpräperate in Pulverform usw, absolut nicht runterbringe. Was viele als lecker empfinden ist für mich der Horror. Ja, Cola trink ich noch, Spezi sogar gern, aber Dinge wie Fanta, Sprite usw.... sind für mich schon kein Genuss mehr... Wenn’s dann Richtung Pulver mit Geschmack aufgelöst in Wasser geht, hört es bei mir ganz auf...

 

Und das hat nicht mal was mit Wollen zu tun  - ich kann einfach nicht, mein Körper rebelliert dagegen.

 

Also könnt ihr euch vielleicht vorstellen wie ich da Freitag in der Küche stand....

Zitternd, das Glas anschauend, mit meinem Schicksal hardernd.. aber ich hatte keine Wahl: Der Arzt wollte mein Popöchen sehen und dafür musste es nun mal heraus geputzt werden.

 

Ich hatte mir einen Plan zurecht gelegt: Wenn ich alle 10-15 ein Glas exte, wäre der Spuk in vier bis fünf Gläsern für’s Erste erledigt. Beim ersten Glas schien es zu funktionieren: ich hielt mir die Nase zu, mischte Sirup unter das Gebräu und exte das Glas. Anschliessend schüttelte ich mich, verzog das Gesicht zu den schlimmsten Grimassen, bekam eine Gänsehaut und legte mich nach dem Motto „Ärmste Person der Welt“ auf’s Sofa um TV zu schauen.

10 Min später versuchte ich das gleiche Vorgehen, aber es war schon nicht mehr so einfach.. Mein Körper wollte das Zeug nicht und begann dem Schluckreflex zu sagen: „ach, lass mal, schluck mal nicht...“ und so musste ich mich echt zwingen das Zeug zu schlucken... Das Gehirn meldete den Lippen „macht euch mal schön schmal, dann kommt nicht soviel rein“ und da mein Körper mit den grössten Anstrengungen des reinen Überlebens kämpfte, konnte ich mich kaum auf das weitere Öffnen meiner Lippen konzentrieren.. Es wurde ein hartes Glas-leer-trinken, aber nach ein paar Minuten mit Unterbrüchen hatte ich auch die zweite Trinkdosis drin...

Langsam kamen mir Zweifel, wie das Enden würde...

 

Die Zeit schien auch gegen mich zu arbeiten, denn kaum lag ich total erschöpft wie nach einem Marathonlauf wieder auf dem Sofa, zeigte die Uhr weitere vergangene 10 Min an..... ich schleppte mich zum Glas und versuchte nun mit Mini-Schlucken den Inhalt in mich zu bekommen... aber alles in mir sträubte sich und erneut wurde es ein harter Kampf...

Beim vierten Glas war es dann soweit: Ich hatte mir vorgenommen, erneut die „Ex-Methode zu versuchen, da die Minischlucke nicht viel besser gingen und die Tortur nur in die Länge zogen. Also Nase zu und Ex...kotz.... ja, mein Körper zeigte mir mit allen Mitteln, was er von dem Abführmittel hielt und spie das letzte Glas wieder raus...

Da ich mich kenn und mit so was gerechnet hatte, stand ich schon passend vor der Spüle...

Ich beschloss, dass es nun halt so sei, ich auf dieses Glas verzichten und dann in 10 Min das Letzte trinken würde...

Aber auch das brachte ich nur noch zur Hälfte runter und musste dann mit Würgreiz die weisse Flagge hissen..... Das Abführmittel hatte mich geschlagen und ich befand, es sei jetzt sinnvoller bis 10h zu warten, und dann mit der zweiten Dosis voll durch zu starten...

 

Wie naiv ich doch bin, tststs

 

Wie ich die Zeit zwischen 7h und 10h verbrachte könnt ihr euch ja denken ;-)

Wie gross mein psychischer Schaden war, eher nicht. Es war so schlimm, dass ich einmal, als ich vom WC kam und in die Küche blickte sofort Würgereiz bekam, nur weil ich den „bösen“ Krug dort stehen sah... also sperrte ich ihn weg, bis es 10h war.

 

Der Gong in die zweite Runde begann und trotz Pause war ich nicht gewappnet dafür.

Ich schlurfte in die Küche, mit feuchten Augen und schaute den Krug an....

Ich ging in die Knie, senkte meinen Kopf und betete „Herr, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorbei ziehen...“ Ich schaute hoch und ein hämisch grinsender Krug blickte mir tief in die Augen...

Ich begann zu betteln: „Hör zu Krug, hier ist der Deal: Du fällst jetzt aus Versehen von der Arbeitsplatte, entleerst sämtliche Flüssigkeit und wirst zukünftig nur noch mit den teuersten Weinen gefüllt! Aber statt sich mit Weinen füllen zu lassen, brachte er mich zum Weinen, indem er ruhig aber dominant den Henkel verneinend schüttelte....

Ich wurde mir bewusst, dass ich mit einem Krug zu verhandeln versuchte, stand auf, straffte meinen eingeknickten Körper und goss mir ein Glas ein. Diesmal vermischte ich es mit Brühe und hatte Tee für das sofortige Nachtrinken bereit.

Pummelfee, fertig mit Jammern und runter damit: ich exte – und erstaunlicher Weise blieb das erste Glas drin und war vielleicht 0,0000000000001% weniger schlimm im Geschmack was an der Brühe lag....

 

Neuen Mutes wartet ich 10 Min – und dann war auch alle Hoffnung wieder weg.... Ich ging in die Küche und mein Würgreflex meldete sich ohne, dass ich was getrunken hatte... der blosse Gedanke war schon genug. Exen würde nicht mehr klappen...

Also würde ich jetzt minütlich einen kleinen Schluck trinken.

Ja, ich stellte mir tatsächlich den Timer und alle 30 Sekunden nahm ich einen Minischluck... Ich brauchte für ein Glas 20 Minuten!! So würde das nichts werden.

Ich zwang mich grössere Schlucke zu nehmen, und würgte den Würgreflex weg und das Gebräu runter. Es war schlimm...

Die ersten Tränen des Selbstmitleids liefen mir runter, ich überlegte, den Termin abzusagen und aufzugeben, doch dann entschied ich mich dafür, mich noch weiter zu quälen...

Unter lautem Jammergeschrei arbeitete ich mich Schluck für Schluck weiter, unterbrochen von WC-Forderungen und Brechreiz – und dann gab ich auf...

Ich konnte nicht mehr, war am Ende meiner Kräfte und entschied: wenn der Darm jetzt nicht sauber ist, dann ist das halt so... Ich kann nicht mehr!

 

Und so war es dann: ich hatte vom zweiten Liter vielleicht knapp die Hälfte geschafft (in 1,5 Stunden!!!) und entsorgte sofort alles... Ich konnte das Zeug nicht mehr rumstehen und mich fies anlächeln sehen. Ich gab zu, dass ich doch nicht die Stärkste von der Welt bin und machte eine tiefe Verbeugung vor dem Abführmittel. Ich war besiegt und wie ein geschlagener Hund verzog ich mich auf’s Sofa... Dort wartete ich bis es Zeit war zu gehen und hoffte, niemand würde merken, dass ich geschummelt hatte...

 

Niemand hat es gemerkt! Und damit ging der bisher schlimmste Tag des Jahres seinem Ende zu...

 

Abends erzählte ich dem einzigartigsten Ehemann der Welt, wie problemlos der Tag und das Trinken war – und wunderte mich nicht weiter, als er einen Lachanfall bekam... er kennt mich halt... Und während ich alles dafür geben würde so ein Zeug nicht trinken zu müssen, muss man ihn schier davon abhalten, es nicht zu trinken, denn unglaublicherweise findet er es fein.....  arghhhh...... und wir sind verheiratet????

 

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