Szenen einer Ehe: "Aufräumen"

Hey Ladies da draussen, die ihr auch mit einem lieben Kerl Mann zu Hause das Leben teilen dürft. Vielleicht kennt ihr ja ähnliche Szenen aus eurem Paar-Alltag und wisst sie nicht ganz einordnen...

Absicht? Unvermögen? Pure Bosheit? Oder wirklich das oft geäusserte und evtl. Wahre: "aber-Schatz-das-war-doch-keine-Absicht-und-ich-weiss-gar-nicht-wie-das-passieren-konnte" inklusive unschuldigem Blick. Ich bin mir bei einigen Szenen nicht ganz sicher - so auch bei dieser :D

 

Ja, zugegeben, es ist nur eine klitzekleine Kleinigkeit und spielt tatsächlich keine grosse Rolle, aber sollte es nicht ganz unabsichtlich passiert sein, um zu testen, was passiert, muss ich zukünftig umdenken und den männlichen "ich-krieg-meine-Frau-schon-dazu-mich-aus-dem-Haushalt-rauszuhalten-Gedanken" besser die Stirn bieten :D

Es war nämlich so: im Haushalt von meiner Wenigkeit Prinzessin Pummelfee und dem Prinzen aka einzigartigster Ehemann der Welt, gibt es eine Schublade, in der alle Tüten/Tragetaschen aufbewahrt werden. Von Klein bis Gross, von Plastik über Papier bis zu Stoff, von stabil bis zu reisst schon beim Anschauen - alles dabei. 

Und dann sind da auch noch meine Lieblingstragetaschen drin: nette Grösse, sehr stabil und einfach praktisch. Sie sind vom meinem Optiker (nein, das spielt keine grosse Rolle, soll einfach noch etwas ausschmücken ;-)) und haben so eine süsse Katze drauf "Katzenseh"

Jedenfalls - um das nochmals zu betonen und damit die Wichtigkeit dieses Details hervor zu heben: Es sind meine Lieblingstragetaschen! Ich hatte ca 5-6 von ihnen gesammelt (nein, ich bin kein Messi) da ja immer mal was sein könnte.. Wer weiss: Diebe brechen ein, finden diese tollen Taschen und nehmen eine mit, dann hätte ich wenigstens noch 4... Oder man verschenkt mal was und bringt es in dieser Tasche. Die Beschenkten sehen die Tasche, nehmen das Geschenk heraus, geben es uns zurück und behalten die Tasche, dann hätten ich noch welche zu Hause... Oder die Prinzessin ist mal wieder schusselig und vergisst irgendwo eine Tasche. Ihr seht, was ich sagen will: Wir hatten genügend, um auch mal einen Verlust in kleiner Menge zu vertragen...

 

Womit die Prinzessin leider nicht gerechnet hatte.... der einzigartigste Ehemann der Welt.... Den hatte ich dummerweise aus meinen "was-wohl-alles-passieren-könnte-Szenarien" rausgelassen und das bekomme ich jetzt zu spüren..

 

Wir haben einen Haushalt - und der will von Zeit zu Zeit geführt werden. Und auch wenn das überhaupt nicht standesgemäss ist, aber ja: die Prinzessin macht das voll alleine...  Allerdings: in unbestimmten Zeitabständen bitte ich den einzigartigsten Ehemann, mir doch kurz, wenn's keine Umstände macht und evtl. gerade möglich wäre, mir zur Hand zu gehen. Etwa so. "EY, wo biste schon wida????? Komm` ma bei mich und helf ma bei die Arbeit!!!"

Sich seines Schicksals bereits ergeben, schlürft dann der Gatte ran und fragt meist sehr motiviert wie er mich denn unterstützen kann.

Also hab ich ihn letztens gebeten, die Taschenschublade kurz aufzuräumen. Ich wusste, das ist kein grosses Ding: schnell sortieren, aufeinander packen und gut ist.

Und so war es auch. Der einzigartigste Ehemann hat ohne Murren (er hat mir erklärt, dass die aus ihm heraus stossenden Laute von einer Magen-Darm-Verstimmung kamen) die besagte Schublade aufgeräumt. Prinzessin war zufrieden, Haushalt erledigt, alle glücklich....

Bis vor ein paar Tagen, genau genommen war es schon letztes Jahr, denn es war kurz vor unserem Urlaub.

Ich musste ein paar Dinge einpacken und hatte klar vor Augen, in welche Tasche die am besten passen würden: keine Frage - in die Katzenseh-Tasche, ganz klar. Also hüpfte ich glücklich meines Lebens an die Schublade, schon voller Vorfreude, gleich mein Objekt der Begierde in den Händen halten und der Welt zeigen zu dürfen, als ich etwas stutzte, weil mich nicht sofort beim Öffnen etwas katzenmässiges anfunkelte. Aber ja, Monsieur hatte ja aufgeräumt, sicher waren sie jetzt nur an einem anderen Platz in der Schublade.

Also wühlte ich etwas, doch mein Gatte hatte seine Sache gut gemacht: Er hatte so gut aufgeräumt, dass ich die Taschen trotz mehrmaligem Wühlen nicht finden konnte.... Aus Zeitgründen gab ich auf und nahm kurzerhand so eine Tasche, die niemand lieb hat um meinen Frust loswerden zu können.

Später sprach ich ihn dann darauf an, ob er wohl die Güte hätte, mir mitzuteilen, was er mit meinen Lieblingstaschen angestellt hätte... ihr wisst schon "EY...."

Er blieb trotz meiner eher subentspannten Stimmung recht gelassen. "Oh, sind sie nicht in der Schublade? Dann wohl im Keller. Ich geh mal schauen."

Im KELLER??? Hallo, geht's noch? Womit haben meine lieben Taschen das bitte verdient? Ich stell seine Bücher ja auch nicht in den feuchten Keller, wo sie verrotten würden?

Ich fand das ziemlich schlimm und dachte, schlimmer kann's nicht mehr kommen, aber es kam und zwar als er wieder hochkam.... "Hm, Schatz, irgendwie sind die nicht im Keller." Jetzt mag man meinen, das sei ja ein gutes Zeichen, immerhin nicht im Keller. War es aber nicht, denn wie sich herausstellte, waren die Taschen "komischerweise" nicht mehr aufzufinden. ALLE.. WEG... Und nein, er machte keine Witze. 

 

Wie ja hinlänglich bekannt ist, sprechen Männer und Frauen nicht immer eine Sprache, also frage ich: "Was genau verstehst du darunter, wenn ich sage `aufräumen`?" "Nicht in den Müll schmeissen, Schatzi, wirklich nicht, falls du das denkst, aber ich weiss einfach nicht mehr, wo die Dinger sein könnten...."

 

Naja, was soll ich sagen: ich würde ihm ja glauben, wenn wir nicht schon mal so eine ähnliche Situation gehabt hätten. Da hatte ich ihn auch gebeten, etwas "aufzuräumen" und anschliessend waren meine Studienunterlagen von der Hochschule Luzern verschwunden, die ich dringend brauchte.... nach sehr vielem Suchen, Beteuerungen auf meiner Seite, dass sie wirklich hier im Haus sind (denn zuerst wurde natürlich bei der Schusselkönigin nach dem Fehlverhalten gesucht) und noch mehr Überlegungen, fiel meinem Männe plötzlich ein, dass er sie evtl. in den Keller und dort in einem Schrank versteckt deponiert haben könnte... wo sie dann auch lagen...

 

Und nun drängt sich natürlich der Verdacht auf, dass da eine gewisse Absicht oder Berechnung hinter steckt :D Denn jedes Mal, wenn ich ihn bitte mir zu helfen, und danach etwas unvorhergesehenes Dramatisches passiert, könnte es ja sein, dass ich ihn lieber gar nicht mehr frage...

Wer weiss schon genau, was Gott sich beim Erschaffen des männlichen Hirns und der Logik genau gedacht hat :D 

 

Ein ehemaliger Vater aus der Kita hat mir einmal erzählt, dass, immer wenn seine Frau ihn früher bat im Haushalt zu helfen, für ihn die erste Überlegung war, was er kaputt machen könnte. Beim Abwaschen/Abtrockenen hat er Geschirr "fallen" lassen, beim Staubsaugen "aus Versehen" die teure Vase am Boden umgefahren und beim Fensterputzen war hinterher mehr Dreck als vorher... Seine Taktik hatte Erfolg: nach einigen demolierten Dingen, brauchte er nie mehr helfen...

Damals hab ich drüber gelacht.. Inzwischen bin ich nicht mehr sicher, ob ich dem selben Prinzip zum Opfer fallen könnte... 

Die Studiensachen sind zwar wieder "aufgetaucht" - und sie waren auch echt wichtig - aber die Taschen, alle Taschen, sind bis heute unauffindbar. Ich vermute sie sind in einer Müllsammelstelle gelandet und vermissen mich sehr...

 

Tja, und jetzt bleibt die Frage offen: Was mache ich in Zukunft?? Den Mann bitten mir zu helfen? Lieber drauf verzichten? Kleine fiesen Fallen stellen, die ihn dabei überführen, wenn es Absicht sein sollte und dann Folter androhen, wenn mir als Wiedergutmachung nicht die Füsse massiert werden?

Ich bin mir noch nicht sicher, aber da ich zur Zeit noch um meine Taschen trauere auch mit anderen Gedanken beschäftigt ;-)

 

Aber eines steht mit Sicherheit fest: Niemals, wirklich nie, werde ich ihn bitten, den Süssigkeitenschrank "aufzuräumen" !!:D

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0