CH-Pass zum Dritten

Ich hab die Einbürgerung in der Schweiz beantragt - das habt ihr gelesen. Ich hab viel Geld und jeweils Porto extra zahlen müssen - das habt ihr auch gelesen. Aber wie es nach meinem Antrag weiterging, das lest ihr jetzt.

 

Eigentlich dachte ich, dass im nächsten Schritt irgendwann die Klingel läutet und die Polizei überprüft, ob der Ehemann und ich eine Prinzessinnen-Scheinehe führen.

Es gibt allerdings noch einen kleinen Zwischenschritt: Damit man weiss, dass die Unterlagen auch wirklich eingetroffen sind, bekommt der oder die Antragstellerin ein kurzes Info-Schreiben. Da steht drin, das das Gesuch um Einbürgerung eingegangen ist, bearbeitet wird und man doch bitte abwartet. Bei Fragen wird gebeten keinen telefonischen Kontakt, sondern ausschliesslich auf dem schriftlichen Weg Kontakt aufzunehmen. Und natürlich ist dann auch "nur" Fax und Postadresse, aber keine Telnr. angegeben.

Ich erhielt also diese Schreiben, öffnete dazu den Brief und zog den Inhalt heraus. Ich las die erste Seite, da ich aber merkte, dass noch weitere Seiten angehängt waren, legte ich diese weg, um die zweite Seite zu lesen.

Zu meinem Erstaunen war es komplett der gleiche Inhalt. Ich legte die zweite Seite weg und las die Dritte, die ebenfalls wieder den komplett gleichen Inhalt enthielt um zum Schluss auch noch - oh Wunder, was kommt jetzt - die vierte Seite mit gleichem Inhalt zu lesen.

 

Ich hatte vier Mal das gleiche Schreiben bekommen??? Hmm, ich schaute genauer hin - und siehe da: war nur fast komplett das gleiche Schreiben... Es gab einen wichtigen Unterschied - wollt ihr raten??

 

Kommt man gar nicht so leicht drauf. Der Unterschied von allen vier Schreiben lag in der Empfängeradresse. Ja ihr lest richtig.

 

Ich,  Prinzessin Pummelfee, hatte die Bestätigung für mein Einbürgerungsgesuch bekommen und gleichzeitig hatte eine Trantüte aus dem Büro dort mir die Bestätigungen für drei weitere Personen aus der Schweiz mitgeschickt. Datenschutz??? Kennen die nicht ;-)

 

Ich überlegte, ob es Absicht war und mir damit vielleicht was gesagt werden sollte... Und dann kam mir die Idee: Da ich ja für jedes Dokument bisher an jede einzelne Behörde zusätzlich zu den überteuerten DIN A4 - Preisen auch noch das Porto zahlen musste, wollten die sicher weiter sparen und hatten sich überlegt, dass ich (voll im Rhythmus) gleich die drei anderen Bestätigungen weiterschicken konnte.... Porto zahlen war ich jetzt ja gewohnt und so würde es mir sicher nichts ausmachen. Immerhin will ich ja den Schweizer Pass - dann kann ich auch was für die finanzielle Lage der Eidgenossenschaft tun, oder??

 

Ok, ich gebe zu, etwas ungewöhnlich, aber warum in aller Welt sollte man mir sonst diese Schreiben schicken?

Ich war echt erstaunt über diesen nicht ganz geringen Fehler und stand mit dem einzigartigsten Ehemann in der Küche um zu überlegen, wie sowas passieren kann. Ich mein, die Person, die die Info-Schreiben an die betreffenden Personen schickt, macht das ja sicher nicht erst seit gestern. Die muss doch gemerkt haben, dass statt einem Blatt Papier (wie gewohnt) grad mehrere in der Hand liegen und dann auch in den Umschlag gesteckt werden....?

 

Wir überlegten weiter, welche "Konsequenzen" das Ganze haben könnte... Ich mein, nur mal angenommen (und wir gingen davon aus) es war ein Versehen und keine Porto-Spar-Taktik, dann wüsste ja niemand ausser uns, dass wir die Schreiben von den anderen Personen hätten. Das öffnet Türen, die für so anders denkende Gehirne wie das vom Ehemann und mir nicht immer rechtlich ok sind.... :D

 

Wir überlegten z.B. was wohl mit dem Einbürgerungsbegehren passiert, wenn wir plötzlich im Namen der anderen Personen Käufe tätigten und die Rechnungen nicht zahlten?

Oder was wären, wenn wir sie anriefen, uns für das SEM ausgeben und Ihnen mitteilen, dass ihr Antrag auf Einbürgerung leider abgelehnt sei und sie sich doch bitte um die Rückreise in ihres Herkunftsland bemühen möchten...

Der Ehemann könnte mich schlagen und ich gebe dann bei der Polizei Name und Adresse einer der Pass-Willigen als Täter an... Ob die mit ner Vorstrafe noch eingebürgert werden?? Und eine Person wohnt nur 5 Autominuten von hier entfernt...

Eine andere Idee war, dass wir von den drei Adressen einen Mann und eine Frau anschwärzen und ihnen beiden eine Affäre unterstellen könnten, um zu "beweisen", dass sie jeweils eine Scheinehe mit den Angetrauten führten... wie gesagt, wohnen wir vier Antragsteller gar nicht so weit auseinander....

 

Ich sag euch, wir hatten eine lustige Zeit dabei, uns auszumalen, was wir mit diesen sensiblen Daten bezüglich dieses sensiblen Themas alles anstellen könnten.... 

 

Nachdem wir uns etwas beruhigt hatten und der Ehemann mich überzeugen konnte, nicht gleich Nägel mit Köpfen zu machen, überlegte ich, was ich jetzt tun sollte...

 

Eigentlich würde ich in so einem Fall anrufen, den Fehler mitteilen und mich über das weitere Vorgehen informieren. Da ja aber keine Telefonnummer vom Amt zu finden war (ich suchte auch noch im Netz) wegen "nur schriftlich Kontakt" hätte man jetzt ja ganz einfach sagen können: Falsch zugestellte Info-Briefe in einen Umschlag und ab ans SEM schicken.....

ABER: Dann hätte ich ja erneut Porto zahlen müssen!!!! Und das für etwas, an dem ich ausnahmsweise nicht Schuld bin... pfft, Leute, bei aller Liebe, aber nicht mit mir!! Ich mein überlegt mal: Ein Franken Porto kann ich auch super in Schokolade investieren und das ist mir nunmal lieber.

 

Also fragte ich den Ehemann, ob er es sehr deutsch und pingelig findet, wenn ich diesmal ausnahmsweise nicht bereit bin, das Porto zu zahlen.

Wie es sich für einen guten Ehemann gehört, stimmt er mir zu.

 

Also machte ich, frech wie ich bin, folgendes: Ich suchte mir das Kontaktformular im Internet raus (ist ja schriftlich und nicht telefonisch....) und schrieb den Damen und Herren, dass ihnen bei der Zusendung der Bestätigung ein Fehler unterlaufen ist und dass ich statt nur meinem Schreiben drei weitere Schreiben für andere Personen erhalten hätte.

Ich wäre gerne bereit, diese drei Schreiben direkt an die betroffenen Personen weiter zu leiten, bitte in dem Fall aber um die Zusendung von drei frankierten Briefumschlägen. Auch sende ich die drei Schreiben gerne wieder zurück ans Amt, bitte in dem Fall um Zusendung von einem frankierten Briefumschlag.

 

Ja, sooooo pingelig und frech war ist tatsächlich.

Ich hinterliess meine Mailadresse (diegeizigePummelfee@Schloss.xy) und recht schnell bekam ich eine Antwort.

Darin entschuldigte sich die schreibende Person für die Unannehmlichkeiten und erklärte mir, gerne ein frankiertes Couvert zukommen zu lassen, damit ich die falschen Schreiben zurück schicken kann....

 

Und tatsächlich: Prinzessin Pummelfee aka die geizige Nuss, hat den Porto-Kampf gewonnen und erhielt heute einen frankierten Umschlag :D :D :D

 

Ja, ihr dürft mich für so ein kindisches Verhalten auslachen und verpönen, aber ich hab mich echt über die Kleinkariertheit bei den Ämtern geärgert... Für ein Blatt Papier, das ausgedruckt wird, 40,- Franken zu verlangen und dann noch das Porto extra abzurechnen find ich echt bescheuert - vor allem weil ich nicht nur einmal etwas brauchte....

 

Und wenn dann so ein Amt einen Fehler macht, dann bin ich gern mal albern und kindisch und sende die Unterlagen, die gar nicht mir gehören, gerne zurück - sofern ich das Porto erhalte ;-)

 

Jetzt sind wir gespannt, ob ich mir damit den CH-Pass verspielt habe... :D Aber irgendwie wäre es das sogar wert gewesen :D

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