(Pädagogische) Vorsätze...

... und was daraus in der Realität wurde...

 

Die Thronfolgerin ist erst 9 Wochen alt - und doch darf ich schon fast die ganze Zeit erste pädagogische Vorsätze komplett über den Haufen werfen ;-)

 

Ihr wisst vielleicht wie das ist - oder könnt es euch zumindest vorstellen: Man sieht oder hört oder muss live miterleben, wie andere Personen ihre Kinder verziehen erziehen und hat sofort eine klare Vorstellung wie man es selbst machen oder sicher mal nicht machen würde.

 

Diese Meinung gibt man gerne jedem und jeder, die es hören möchte, zum Besten. Erklärt noch altklug warum es genau so richtig ist und nicht anders.

 

Tja - und dann kommt das eigene Kind! :D Und alles ist anders.

 

Also mir geht es da gerade mit einigen Dinge so - und es werden sicher noch mehr dazu kommen :)))

Ich bin "Fachfrau", hab verschiedene Ausbildungen, Weiterbildungen und genügend Bücher über "Erziehung" und "Betriebsanleitung für Kinder" gelesen, aber Theorie und Praxis sehen halt nicht immer gleich aus... ;-)

 

Ein aktuelles Thema bei uns z.B. "in den Schlaf tragen..."

Ja, ich hab immer, wirklich immer gesagt "Wenn ich mal eigene Kinder habe, werde ich sie nie in den Schlaf tragen. Man darf eben gar nicht erst damit anfangen, sonst gewöhnen sie sich dran."

Bullshit ;-)) Theorie und Praxis... blablabla...

 

Unsere kleine Maus ist wirklich süüüssss, das süsseste Baby weit und breit. Aber: in gewissen Dingen ist sie seit der Geburt (ach was, genau genommen schon in der Schwangerschaft) anders.....

Es gibt Babies, die liegen einfach so rum, sind zufrieden und wenn sie müde werden, nicken sie einfach an... Unsere Thronfolgerin hat das seit Beginn ihres Erdenlebens nicht so gemacht.... Immer, wenn sie müde wurde und wird, fängt sie an zu schreien - und nein, sie hört nicht einfach so auf...Sie schreit, bis man sie aufnimmt. Aber selbst das reicht ihr nicht. Die Bücher sagen "sie braucht Nähe"... Ja, die hat sie, aber sie kommt ganz nach ihrer Mutter und will immer mehr... wenn man den kleinen Finger reicht und so...

Nähe allein reicht also nicht, denn: sie schreit auch auf dem Arm weiter. Glaubt mir, ich hab alles versucht (Geduld, Liebe, gutes Zureden, Schokolade vor dem Stillen...) aber: sie gibt erst Ruhe, wenn ich sie durch die Wohnung trage.... Zack, Baby ruhig und zufrieden. 

Bleib ich stehen (oder habe nur den Gedanken dran) - Gebrüll. Und nicht leise oder zaghaft, ne ne.. in etwa so, wie ich schreie, wenn jemand den Süssigkeitenschrank verschliesst und mir den Schlüssel nicht gibt...

 

Da kann ich mir noch 1000x vornehmen, mein Kind nicht in den Schlaf zu tragen... Es gibt einen Punkt, da will man einfach nur noch Ruhe - und wenn die nur durch Rumtragen einkehrt, tja, dann über Bord mit den pädagogischen Vorsätzen und das Baby wird getragen... *schäm*...

 

Immerhin: Nachts braucht sie es nicht, da kann ich sie wach ins Bett legen und sie schläft von selbst ein (keine Ahnung, warum es nicht auch am Tag geht...) 

Und: inzwischen kommt es auch mal vor, dass es reicht, wenn ich sie auf dem Arm schunkle ohne zu laufen... das macht Hoffnung, denn das ewige Rumgerenne geht mir doch manchmal an die Substanz - immerhin bin ich nicht mehr die Jüngste.

 

Und ich gebe zu: ich bin immer wieder über den extrem feinfühlig eingestellten Sender im Baby erstaunt, der genauestens spürt, wann man sich hinsetzen möchte... Mehrmals getestet: wir laufen seit einer Weile durch die Gegend, Mama wird müde, ist verspannt und möchte sich nur kurz mit dem Baby auf das Sofa setzen.... Das Baby ist bis jetzt zufrieden.... Mama bleibt am Sofa stehen - zack- der Kopf hebt sich von der Schulter auf wie die Ohren bei einem Wachhund, wenn er ein verdächtiges Geräusch hört.. Mama macht eine minimalste Bewegung Richtung Sofasitzfläche - zack- die Alarmanlage geht an und das Baby schreit lauthals los... wie spüren die das so schnell????? Mama läuft weiter - Baby wieder ruhig entspannt...

Das nenn ich Fremdbestimmt ;-)

 

Ein anderer (pädagogischer) Vorsatz war früher: Wenn ich mal ein Baby hab, wird es bei mir im Zimmer schlafen in den ersten Wochen. Dann spürt und hört es meine Nähe und es geht ihm besser.....

Zwischenzeitlich änderte ich meine Meinung dann auch mal und fand, dass es grad von Beginn an in seinem Zimmer schlafen soll. Zum einen muss man dann später nicht umgewöhnen und erspart sich evtl viel Ärger, zum anderen gehört das Schlafzimmer den Eltern als Rückzugsort...

Und dann kam unsere Thronfolgerin nach Hause ;-) Egal, was ich jemals gedacht/gewollt hatte: auf jeden Fall würde diese kleine, süsse, hilfebedürftige Wesen bei uns im Schlafzimmer nächtigen....

 

Es wurde Schlafenszeit, wir gingen ins Bett, noch während des "gute-nacht-sagens" war der einzigartigste Ehemann schon eingeschlafen, das Baby schlief und ich: mit weit aufgerissenen Augen im Bett. Klar, Aufregung...

Sie legte sich langsam, ich wurde müde, schloss die Augen, Baby macht ein Geräusch - zack- weit aufgerissene Augen... 

Dieses Spiel wiederholte sich die komplette Nacht. Und unser Baby macht viele Geräusche (bis heute)...

Damit war klar: es war die erste und einzige Nacht, die die Thronfolgerin bei uns schlafen würde - über Bord mit den (pädagogischen) Vorsätzen.

 

Die zweite Nacht verbrachte die Kleine in ihrem Zimmer - und ich konnte selig schlafen. Ich höre sie sobald sie schreit, aber ich höre nicht die tausend Mini-Geräusche und wache nicht mehr jedes Mal auf.

 

Bin ich traurig deswegen? Nein ;-) Wir alle schlafen gut, ich werde die Kleine nicht umgewöhnen müssen und zum Stillen kann ich sie trotzdem kurz ins Bett holen, weil der Ehemann nichts mitbekommt ;-) Beste Lösung für alle, aber wieder mal anders als geplant ;-)

 

Es gibt noch mehr so Beispiele (z.B. dass ich meinen Alltag nicht komplett nach dem Baby umstellen werde, sondern sie lernen muss, sich anzupassen) bei denen ich vor unserer Thronfolgerin überzeugt war, ich bestimme wie es läuft, aber ich muss zugeben: in vielen Dingen bestimmt die Kleine.

 

Das ist etwa so wie bei dem einzigartigsten Ehemann und mir: vor unserer Hochzeit, malte er sich ein Leben aus, wie es mit mir sein würde... Theorie... und dann kam die Praxis und er merkte recht schnell, dass es so läuft wie ich es will - oder er leidet ;-)

Nun bin ich fremdbestimmt... ob das die Rache ist ;-))))

 

Wie auch immer: für die Zukunft weiss ich, dass ich mir bestimmte altkluge Weisheiten und pädagogische Tipps einfach mal sparen kann :D Jedes Kind ist anders und braucht andere Dinge. Es gibt nicht "die Anleitung" - schon gar nicht bei unserem charakterfesten Kind ;-) Und das ist voll ok so :))))

 

Ich geniesse die Maus, so wie sie ist. Und wenn ich dafür zur Zeit mit ihr in den Schlaf laufen muss, dann mach ich das. Es wird nicht ewig so sein, davon bin ich überzeugt ;-) Und wenn sie nun mal nicht gerne geweckt wird und danach ein Schrei-Konzert veranstaltet, dann versuch ich halt noch für die nächste Zeit so gut wie möglich darauf einzugehen...

 

Die Zeit rast und all diese kleinen Dinge sind nicht von Dauer.... ich brech mir keinen Ast ab, wenn ich zugebe, dass das theoretische Wissen nicht immer so in der Praxis funktioniert ;-)))

 

Bin gespannt, wo ich noch alles "dazulernen" darf ;-))))

 

Und kann irgendjemand diesem Schatz böse sein oder an pädagogischen Vorsätzen festhalten, wenn sie einen anlächelt und dabei was anderes verlangt?? ;-)))

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