Szenen einer Elternschaft

Heute möchte ich eine kleine Szene aus unserem Eltern-Dasein mit euch teilen. Einige Eltern werden diese oder ähnliche Situationen kennen, andere vielleicht nicht und Nicht-Eltern darf es als Zukunftsvision dienen, falls sie mal Kinder wollen.

 

Mit der Ankunft eines Kindes - vor allem des ersten - ändert sich im Alltag des Paares einiges. Es kommt. viel Schönes hinzu und es gibt Dinge, die man (teils vorübergehend) vermisst.

 

Bei uns ist eines dieser vorübergehend-vermissend-Dinge ein gemütliches Essen, ganz in Ruhe, ohne viel Getüddel. Was wir vorher schätzen und gerne genossen, nahm mit der Ankunft der Thronfolgerin ein abruptes Ende. 

 

Der einzigartigste Ehemann und ich sind "Frühesser". D.h. unter der Woche essen wir meist gegen 18h und am Weekend gibt es ein grosses, langes, spätes Frühstück und dann gegen 17-18h.

Das hat für uns immer super so gepasst. Als dann das Baby da war, hörten die gemütlichen Essen auf. Denn plötzlich wollte jemand gestillt werden oder hatte genau während unseres Essens die Hose voll oder wollte genau dann herumgetragen und beruhigt werden oder... es war immer etwas und einer von uns musste das Essen unterbrechen, wenn nicht gar beenden.

Die Kleine wurde grösser und wir dachten, nun ändert es, doch so wie wir Frühesser sind, ist sie Frühschläfer, weshalb unser Abendprogramm mit ihr jeweils zwischen 17-17.30 startet: Brei, Baden, Umziehen, Kuscheln, Spielen, Flasche, Bett - und zack ist es 19h. Da der Ehemann und ich dann halb verhungert sind, essen wir nach wie vor früher. Das bedeutet aber, dass die Kleine mit dabei ist. Und das wiederum bedeutet, dass wir keine Ruhe haben... Sie will was vom Brot, sie schmeisst es runter, wir reden und sie will Aufmerksamkeit und kreischt lustvoll dazwischen, neigt den Kopf zur Seite und schenkt einem das süsseste Lächeln, sie will was Trinken, sie will aufstehen, sie will auf meinen Schoss.... Konkret: ich beisse einmal ab und tu etwas für das Baby, dann beiss ich ab und tue wieder was für das Baby und so sind unsere Essen niemals ruhig oder gemütlich seit das Baby da ist und regelmässigen den "sterbenden Schwan" macht, wenn sie nicht genug Aufmerksamkeit bekommt.

 

Vor zwei Tagen dann plötzlich so: Der Ehemann und ich stehen in der Küche, machen unser Abendessen bereit, während das Baby vertieft ins Spiel im Wohnzimmer sitzt und mit sich und den gerade gemachten Erfahrungen beschäftigt ist...

Wir beide wittern - wie sonst Drogenhunde von der Polizei - das dies eine "besondere" Situation werden könnte: Ein Essen ohne Baby, dass einen dauerbeschäftigt... Wir also von einem Moment auf den anderen in "Hab-Acht-Stellung": Unauffällig weiter das Essen vorbereiten und ja keine auffälligen oder anders klingenden Geräusche als vorher machen, die das Baby dazu veranlassen könnten, sich nach uns umzudrehen.

Wir reden also weiter wie vorher, gehen aber langsam schleichend zum Esstisch. Der Blick auf den Boden gerichtet, damit niemand aus Versehen ein Spielzeug durch die Gegend schiesst. Die Füsse schön abrollend und nicht laut trampelnd kommen wir dem Tisch näher. Die Thronfolgerin hat noch nichts bemerkt und spielt weiterhin in ihrer Welt. 

Jetzt müssen "nur noch" die Teller auf dem Glastisch abgestellt werden ohne das dieses Geräusch von der Thronfolgerin bemerkt wird, denn sonst ist sie schneller als der Blitz am Tisch (wenns ums Essen geht, kommt sie ganz nach der Mama: immer, alles, überall)

Erinnert ihr euch noch an eure ersten pubertären Raus-Schleich-Versuche mit 14 Jahren? Wenn man peinlichst darum bemüht ist, ja kein Geräusch zu machen, dass die Eltern wecken oder auf einen aufmerksam machen könnte? So schlichen wir um den Tisch herum und versuchten die Teller möglichst leise abzustellen.

Nachdem dies erstaunlicherweise geklappt hatte, kam die nächste Herausforderung: Die Stühle so wenig wie möglich und so weit wie nötig vom Tisch ziehen, damit man sich drauf setzen kann ohne das ein Geräusch an die überaus gut wahrnehmenden Ohren der Tochter weitergeleitet wird.

Das mag für normale Menschen schon eine Herausforderung sein, aber was denkt ihr wohl, ist das für mich? Eine noch Schwangerschaftspfunde tragende Mama, die Tollpatschigkeit zu einer ihrer chronischen Angewohnheiten gemacht hat und fast den ganzen Tag mit Schokolade verschmierte Finger hat, die alles fallen lassen? Ich sag nur: Eine Geburt ist ein Klacks dagegen....

 

Wie auch immer: völlig unglaublicherweise kam es zu dem hoffnungsvoll erwarteten Moment: plötzlich sassen der Ehemann und ich am Tisch, konnten uns die ersten Bissen reinstopfen und die Thronfolgerin hatte nichts von unserem hinterhältigen Manöver mitbekommen. Wir sassen am Tisch, assen unser Essen und niemand musste nebenbei den kleinen Terrorkrümel beschäftigten, hach..... Was für ein Erlebnis. Die harte Vorarbeit hatte sich gelohnt - zumindest für 5 Bissen, denn, tadaaaa, das Kind hatte uns bemerkt... Ob es ein Geniesser-Rülps oder ein Entspannungs-Furz war, können wir nicht mehr genau sagen, aber wir waren entdeckt. Viel zu früh! Mit Kampfgeschrei stürmte die Kleine auf uns zu, riss ihre Arme nach oben, kletterte am Stuhl hoch und wollte - was wohl - sofort für unsere Schand-Tat entschädigt werden.... Das ruhige Essen war vorbei, aber auch die 5 Bissen waren es wert ;-)

 

Wir freuen uns auf den nächsten Restaurantbesuch.... ;-) Und natürlich die nächsten Szenen einer Elternschaft und zu was sie uns veranlassen...

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